50 Jahre Martin-Luther-Haus

Am Freitag, 14. Juli, feierte der Jugendhilfeverbund der Stadtmission mit etwa 100 Gästen sein goldenes Jubiläum. Vertreter aus Politik, Kirche und Ju-gendhilfe würdigten die hier geleistete „Hilfe im Leben“ für junge Menschen.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly ließ die Stadtmission wissen: "Danke - wir brauchen Sie."

Die Festredner am Freitag (v.l.n.r.): Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly; Stadtdekan Dr. Jürgen Körnlein; Leiter des Jugendhilfeverbundes Martin-Luther-Haus, Johannes Mathes und die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Kreisverband Nürnberg, Barbara Ameling.

Das Klezmer-Ensembke "Mame Loshn" sorgte für einen fröhlichen musikalischen Rahmen.

Etwa 100 Gäste aus Kirche, Politik und Jugendhilfe versammelten sich am Freitag im Martin-Luther-Haus.

Johannes Mathes, seit 1. Juni neuer Leiter des Jugendhilfeverbundes Martin-Luther-Haus (MLH), dankte in seinem Begrüßungswort am Freitag „allen die mit ihren je eigenen Aufgaben mit dazu beigetragen haben, dass wir heute hier stehen und dieses 50-jährige Jubiläum begehen können“. Dabei würdigte er besonders die Arbeit von insgesamt 198 Kolleginnen und Kollegen: „Sie sind mit Verstand, Wissen, Herz und Seele hier tätig. Es ist uns bewusst, dass es oft eine herausfordernde Aufgabe ist, ich wünsche aber allen, dass Sie die Arbeit vor allem als eine schöne und wertvolle erleben. Professionelle Pädagogen machen professionelle soziale Arbeit.“

 Dank aus Kirche und Politik

„Mein Respekt, mein Applaus gilt Ihnen“, sagte auch Stadtdekan und Verwaltungsratvorsitzender der Stadtmission, Dr. Jürgen Körnlein: Die Wertschätzung und das Angenommen-Sein, das die Pädagogen den im Martin-Luther-Haus Heranwachsenden trotz aller Konflikte täglich neu vermitteln würden, sei ein bedeutsamer Dienst am Nächsten und damit Gottesdienst in Luthers Sinne, so Körnlein.

Als guten „Anlass zum Erklären“ verstehe Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly das 50. Jubiläum des Martin-Luther-Haues, sagte er in seinem Jubiläumsgrußwort am Freitag. Denn er habe den Eindruck, dass die Öffentlichkeit viel zu wenig wahrnehme, was es bedeute mit jungen Menschen zu arbeiten, die einmal bekannt als Grenzgänger, Verweigerer, Unruhestifter in regulären Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gar nicht mehr unterkämen. „Das Martin-Luther-Haus und seine Pädagogen begegnen diesen Kindern mit höchster Kompetenz und Einfühlungsvermögen“, sagte Maly. Davon müsse man erzählen und könne diese Leistung gleichzeitig gar nicht genug wertschätzen. Sein Grußwort schloss der Oberbürgermeister schließlich mit  einem „Danke – wir brauchen Sie“.

Besonders im Fokus: Kinderschutz und Kinderrechte

Barbara Ameling, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes im Kreisverband Nürnberg, bezog in ihrer Festrede Stellung zum Aufarbeitungsprozess, den das Martin-Luther-Haus seit 2010 durchlaufen habe.  Die Verantwortlichen im Jugendhilfeverbund und in der Stadtmission hätten sich mit viel Mut und Durchhaltevermögen und auch gegen viel Gegenwind mit den vergangenen Missbrauchsfällen auseinandergesetzt und seither eine Kultur des Hinsehens im Haus etabliert. „Die Offensivität und Konsequenz mit der hier vorgegangen wurde, zeichnet dieses Haus aus“, sagte Ameling. Sie berät das Martin-Luther-Haus bis heute in Sachen Kinderschutz- und Kinderbeteiligung. Bereits am Donnerstag, 13. Juli, hatten Leitende aus dem Jugendhilfeverbund zusammen mit Ameling Medienvertretern vorgestellt, welche Kinderschutz- und -Partizipationskonzepte das Martin-Luther-Haus in den vergangen Jahren wirksam etabliert hat.

In ihrem Festvortrag am Freitag ging Ameling zudem auf die Eigenheiten der Kinder und Jugendlichen aus dem Martin-Luther-Haus ein und beschrieb sie anschaulich als „Igel-Kinder“. Ihr bisheriges Leben in instabilen, oft lieblosen, mitunter gewalttätigen und ausbeuterischen Familien habe sie gelehrt, ihre Stacheln aufzustellen, um selbst zu überleben. Gerade sie bräuchten ein offenes, transparentes Lebensumfeld mit garantierten Mitbestimmungsrechten, in dem sie vor neuerlicher Willkür und Machtmissbrauch geschützt seien, so Ameling. Und nicht zuletzt: Geduldige Pädagogen „mit warmen weichen Handschuhen“, die um ihren verletzlichen Bauch wüssten. Beides sei im Martin-Luther-Haus gegeben.

Der Jugendhilfeverbund Martin-Luther-Haus heute

Seit seiner Gründung 1967 hat sich das Martin-Luther-Haus von einem Kinderheim zu einem großen Jugendhilfeverbund mit fast 200 Mitarbeitenden entwickelt. Heute werden insgesamt 209 junge Menschen in stationären wie auch teilstationären Einrichtungen betreut, dazu zählen u.a. die Martin-Luther-Schule, die Therapeutische Kindertagesstätte, die Familienwohngruppen sowie das Überregionale Beratungszentrum. Mit seinem Jugendbauernhof, im therapeutischen Reitzentrum und  durch vielzählige Sport-, Musik- und Gestaltungsangebote werden Kinder im MLH zusätzlich und individuell gefördert. Der Jugendhilfeverbund Martin-Luther-Haus wird von der Stadtmission Nürnberg getragen.

 

 

Meldung vom: 14.07.2017
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