Gegen Kinderarmut und Bildungsungerechtigkeit: Stadtmission sammelt Spenden

Die Stadtmission Nürnberg startet eine Spendenaktion für arme Kinder und Familien. Ein Viertel ihrer Hilfeangebote in dem Bereich „Chancen für junge Menschen“ lebt ausschließlich von Spenden.

NÜRNBERG.    Unter den 15 größten deutschen Städten weist Nürnberg die zweithöchste Armutsgefährdungsquote auf. Mehr als jedes vierte Kind ist hier von Sozialleistungen abhängig – häufig trotz hart arbeitender Eltern. „Es gibt so viele arme Kinder, weil es so viele arme Familien gibt“, sagt die Vorstandssprecherin der Stadtmission Nürnberg, Gudrun Dreßel. Zugenommen habe die Armut in den letzten Jahren insbesondere in Familien mit alleinerziehenden Eltern und in Familien mit mehr als vier Kindern. „Wir können nicht hinnehmen, dass das Kinderhaben ein Armutsrisiko für Familien ist“, so Dreßel. „Die Belastungen von Eltern müssen auf mehr Schultern verteilt werden“, lautet ihr Appell.


Wie hilft die Stadtmission?

Mit ihren Angeboten im Bereich „Chancen für junge Menschen“ arbeitet die Stadtmission Nürnberg gegen die Benachteiligung armer Kinder an. „Wir bieten Nahrung für Hirn, Herz und Bauch“, erklärte Alexandra Frittrang, die „Chancen für junge Menschen“ bei der Stadtmission leitet. Gemeint sind damit außerschulische Förderangebote wie kostenfreie Hausaufgaben- und Nachhilfe, Prüfungsvorbereitung, Mal- und Musikworkshops, aber auch Ausflüge in Freizeitparks, ins Kindertheater oder gemeinsame Kochaktionen. Viele der von der Stadtmission betreuten Kinder seien gesundheitlich nicht gut beieinander und schon mit sechs Jahren übergewichtig, erzählt Frittrang.

„In unsere Spiel- und Lernstube Lobsinger kommen Kinder, die zu Hause mit fünf Geschwistern und Eltern in drei Zimmern leben. Dort gibt es weder für jeden ein Bett, geschweige denn einen ruhigen Tisch für die Hausaufgaben oder Platz zum Toben“, erzählt Frittrang. Für diese Kinder sei die „Lobsinger“ ein zweites Wohnzimmer und die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen wichtige Vertrauensmenschen. Ähnlich sei es auch im Diana-Hort im Nürnberger Süden. Leiterin Kristin Reidy erzählt von einem ihrer Kinder:


Chance ergriffen: Flüchtlingskind Maher* und seine Familie

Vor zwei Jahren kam der neunjährige Maher in den Diana-Hort. Mit vier Kindern waren die Eltern zuvor aus Syrien geflohen, Mahers Vater und einer seiner Brüder auf der  Flucht ums Leben gekommen. Mit seiner Mutter und zwei Geschwistern lebt er heute in einer 1-Zimmer-Wohnung in der Diana-Wohnanlage. In seinen ersten Monaten im Diana-Hort schlief oder weinte Maher – nichts anderes sei möglich gewesen. Nachts, zu Hause sei er nicht zur Ruhe gekommen, im Diana-Hort bei den tobenden Kindern dagegen eingeschlafen, erzählt Reidy. „Ich bin stolz und glücklich über Maher“, sagt die Hortleiterin knapp zwei Jahre später. „Maher spricht heute verständlich Deutsch, isst bei allen unseren Mahlzeiten mit und hat sowohl unter den jüngeren als auch unter den älteren Kindern im Hort viele Freunde.“ Als der Hort über die Weihnachtstage zuletzt geschlossen war, sei Maher im neuen Jahr zu seinen Betreuern gestürmt und habe verkündet:„Gott sei Dank ist wieder offen! Ich war jeden Tag vor der Tür. Ich habe geschaut, ob ihr schon wieder da seid.“


Wo kommt die Hilfe an?

Etwa 80% der bei der Stadtmission geförderten Kinder hätte einen Migrationshintergrund. Allein im Diana-Hort und in der Spiel- und Lernstube Lobsinger seien 41% der Eltern alleinerziehend, 75 % der Familien von SGB II-Leistungen abhängig – oft trotz eines oder sogar mehrerer Jobs. „Seit 2006 haben wir etwa 3 400 Kinder unterstützen können, in diesem Jahr profitieren 350 Mädchen und Jungen mit ihren Familien von unserer Arbeit“, erläutert Alexandra Frittrang. Ganz entscheidend sei, dass die Eltern eng begleitet und einbezogen würden. Dafür gebe es beispielsweise auch mehrsprachige Elternsprechstunden und regelmäßig Aktionen, bei denen die ganze Familie eingeladen sei.


Wie viele Spenden werden gebraucht?

All diese „Chancen für junge Menschen“ seien prekär finanziert, betonte Vorständin Gudrun Dreßel. „Reguläre Personalschlüssel, strenge Buchungszeiten und Aktionen, die nur durch Eltern finanziert werden – das reicht in der Lebenssituation unserer Kinder und Familien einfach nicht aus“. Um benachteiligte Kinder und ihre Potentiale zu fördern brauche es individuelle, zusätzliche Angebote, die nur Spenden ermöglichen könnten. 55 000 EUR will die Stadtmission mit ihrem aktuellen Spendenaufruf einwerben. Im ganzen Jahr werden etwa 230 000 EUR gebraucht.  Die Verbindung zum Spendenkonto lautet:


Stadtmission Nürnberg e.V.
IBAN: DE71 5206 0410 1002 5075 01
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG
Stichwort: Chancen

*Name geändert

 

 

Meldung vom: 26.03.2018
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