Dreßel: "Nicht arm zu sein, ist nicht selbstverständlich."

Vorstandssprecherin Gudrun Dreßel zu Armut und Teilhabe

NÜRNBERG.    „Armut ist ein Teilhabehindernis“, sagte Gudrun Dreßel am Dienstag im Pressegespräch. Gleichzeitig beklagte sie, dass die Lebenslage und Not einkommensarmer Menschen kaum mehr im öffentlichen Diskurs vorkomme. Das hätte sich auch im jüngsten Bundestagswahlkampf und in den Wahlergebnissen so bestätigt: „Da ist zwar immer wieder das Schlagwort der sozialen Gerechtigkeit gefallen – für viele Menschen in dieser Republik geht es aber inzwischen um Existenzsicherung.“ Dass Menschen nur noch mit mehreren Jobs irgendwie über die Runden kämen; dass viele alleinerziehende Frauen nicht nur um die Ausbildungschancen, sondern genauso um das abendliche Toastbrot der Kinder bangen würden - das alles sei ein Skandal, so Dreßel.

„Wir haben in der Stadtmission die Aufgabe, diese Not zu lindern. Und wir fordern andere, denen es besser geht, zum Hinschauen auf“. Multi-Jobber, Aufstocker, Alleinerziehende – sie alle würden in den leuchtenden Wachstumszahlen der Republik untergehen und mit ihnen nahezu drei Millionen in Armut lebende Kinder.

 

Kommunaler Aktionsplan zielt auf mehr Teilhabe

Auch im Rahmen der kommunalen Inklusionskonferenz setzte sich die Stadtmission für die Interessen und Entstigmatisierung armer Kinder, Frauen und Männer ein. Denn Armut sei keine Schuld, sondern Lebenslage, so Dreßel. Beispielhaft nannte sie den Nürnberg-Pass, der für Berechtigte zwar den Alltag erleichtere und lebensnotwendig sei, sich gleichzeitig aber zu einem „Ausweis der Armut“ entwickelt habe, der stigmatisierend wirke.

Verbände, politische Verantwortungsträger, Verwaltungsbehörden und Betroffene arbeiteten in der Nürnberger Inklusionskonferenz gemeinsam an einem kommunalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die Dreßel eine Menschenrechtskonvention nennt. In der Sache gehe es dabei um viel mehr als nur um Behindertenrechte.

„Deshalb ist die gemeinsame Arbeit in der Inklusionskonferenz wertvoll, notwendig und nachhaltig gleichermaßen“, so die Vorstandssprecherin der Stadtmission. Sie lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die soziale Arbeit und Politik der Stadt Nürnberg und ihrer politischen Verantwortungsträger.

In der kommunalen Inklusionsarbeit vertrete die Stadtmission zudem besonders die Interessen psychisch erkrankter Menschen. „Mir ist es wichtig, dass wir diese Frauen und Männer nicht nur im Blick, sondern bei aller Arbeit dabei haben.“ Wichtig sei, so Dreßel, „dass wir psychisch Erkrankte und deren Alltagssicht nicht vermeiden, nicht umgehen. Der Mensch ist immer Körper und Seele. Beides kann krank werden. Das betrifft jeden von uns.“

Meldung vom: 26.09.2017
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