Spendenaktion „Erste Hilfe gegen Armut“ gestartet

Mit ihrer Spendenaktion „Erste Hilfe gegen Armut“ wirbt die Stadtmission Nürnberg um Unterstützung für mittellose Nürnbergerinnen und Nürnberger. „Wir brauchen alle Bürger dieser Stadt, denen es besser geht, um immer mehr verarmten Menschen helfen zu können“, so Vorstandssprecherin Gudrun Dreßel beim Pressegespräch am Donnerstag.

Bei Karl-Heinz Hofmann ging es seit Herbst 2016 wieder aufwärts. Fast zwei Jahre schlug er sich zuvor auf der Straße durch.

In der Wärmestube können Menschen, die selbst zu wenig haben, um satt zu werden, essen und Kraft schöpfen.

Karl-Heinz-Hofmann lässt sich auch weiter regelmäßig bei der Stadtmission beraten, damit der Alltag gelingt. Rechts im Bild: Thomas Heinze, Leiter der "Hilfen für Menschen in Wohnungsnot".

Sinnbild für die Not: Von etwa 2000 Wohnungslosen in Nürnberg, nächtigen und überwintern etwa 70 bis 80 Menschen unter freiem Himmel.

23,3 % der Nürnbergerinnen und Nürnberger leben in Armut – das sind über 120 000 Menschen, davon mindestens 25 000 Kinder. In dem immer schärferen Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum in dieser Stadt haben Kranke, Alleinerziehende, Menschen mit unsicherem Einkommen oder von Sucht- und Familienkrisen Betroffene kaum noch Chancen.

2 000 Frauen und Männer sind in Nürnberg bereits in die Wohnungslosigkeit abgerutscht – 20 % mehr als noch vor fünf Jahren. Etwa 70-80 davon leben ohne jegliche Unterkunft auf der Straße. Gudrun Dreßel, Vorstandssprecherin der Stadtmission Nürnberg nennt das einen Skandal: „Wir müssen hinter allen Statistiken die Lebenslagen und Schicksale der betroffenen Menschen sichtbar machen.“ Die steigende Wohnungslosigkeit sei ein besonders erschütternder, aber tatsächlich nur ein Teil der ständig wachsenden und häufig verdeckten Armut in dieser Stadt, so Dreßel am Donnerstag.

Abwärtsstrudel verhindern: Erste Hilfe gegen Armut

Mit ihren Beratungs- und Nothilfeeinrichtungen arbeitet die Stadtmission Nürnberg dagegen an, dass Menschen bis hin zur Verelendung immer weiter abgehängt werden. Sozialarbeiterin Walburga Baum von den „Hilfen für Menschen in Wohnungsnot“ erläuterte am Donnerstag, wie man diese Abwärtsspiralen unterbrechen könne: „Aufgebautes Vertrauen und eine wertschätzende Beziehung zu den Betroffenen – das ist das wirksamste Mittel, damit Menschen wieder Halt und zurück in einen geregelten Alltag finden“, so Baum. Denn für die meisten ihrer Klienten habe das Leben auf der Straße vor allem Scham, Ohnmachtsgefühle, Isolation und den Verlust des Selbstwertgefühls ausgelöst. „Das macht depressiv und krank.“ Die Flucht in Alkohol und Drogen sei dann eine ganz häufige Bewältigungsstrategie.

Es gebe keine typischen Wohnungslosen, aber typische Risikofaktoren, die Menschen in die Wohnungslosigkeit brächten, erklärte Baum weiter. Arbeitsverlust, Schulden, familiäre Schicksalsschläge, Gewalterfahrungen, Straffälligkeit  und Haftentlassung, akute oder chronische Erkrankungen zählten unter anderem dazu. „Nicht arm zu sein, ist nicht selbstverständlich“, erinnerte folglich Vorstandssprecherin Gudrun Dreßel.

Plötzlich wohnungslos – ein ehemaliger Betroffener berichtet

Wie kann ein Mensch bis zur Obdachlosigkeit durch sämtliche soziale Siche-rungsnetze durchfallen? Bei Karl-Heinz Hofmann (57) waren eine längere Erkrankung, Arbeitsverlust und die Trennung von seiner damaligen Lebenspartnerin Auslöser seines Abrutschens in die Obdachlosigkeit. Fast zwei Jahre schlug sich der gelernte Industriekaufmann auf der Straße durch. Hofmann übernachtete in Treppenhäusern, immer mal wieder bei Bekannten und auf versteckten Parkbänken. „Es war mir unangenehm, wenn morgens Berufstätige und Schüler vorbeikamen, aber mein innerer Stolz war zu groß, mich an meine Familie oder an irgendwelche Ämter zu wenden“. In der Wärmestube und in Kleiderkammern versorgte er sich mit dem Nötigsten zum Leben. Durch Zufall kam er Ende 2016 zu den „Hilfen für Menschen in Wohnungsnot“ und schließlich wieder zu Papieren, Wohnung und zu einer Arbeit in den allerhand-Gebrauchtläden der Stadtmission. „Bei der Stadtmission bin ich nach langem wieder mit Respekt und Freundlichkeit behandelt worden. Da habe ich auch selbst Lebensmut gefasst und neue Ziele entwickelt“ resümiert der wortgewandte Mann heute.

Hilfe zur Selbsthilfe – Stadtmission sammelt Spenden

Hilfe zur Selbsthilfe – das wollen alle Einrichtungen der Stadtmission leisten, bei denen in Armut geratene Nürnbergerinnen und Nürnberger Unterstützung finden. Die Wohnungslosenhilfe ist dabei nur eine von vielen. Auch Beratungsdienste wie die „Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit“, das Ökumenische Arbeitslosenzentrum, die „Chancen für junge Menschen“ und die Wärmestube sind in diesem Bereich engagiert.

Um Menschen auch dort unbürokratisch und schnell helfen zu können, wo sonstige Regelfinanzierungen nicht greifen, sammelt die Stadtmission Nürnberg Spenden. Damit werden beispielsweise Lebensmittelpakete, VGN-Tickets und Wohnungsausstattungen für mittellose Männer und Frauen finanziert. Auch bei Stromkostennachzahlungen oder Mietkautionszahlungen kann die Stadtmission Menschen mit Hilfe der Spendengelder unterstützen. 

Spendenkonto Stadtmission Nürnberg e.V.
IBAN: DE71 5206 0410 1002 5075 01
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG
Stichwort: Armut

Weitere Infos zur Spendenkampagne "Erste Hilfe gegen Armut" finden Sie hier.

 

 

Meldung vom: 16.11.2017
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