Wenn straffällig gewordene Männer nach der Haft nicht wissen, wo sie bleiben sollen, ist der „Wendepunkt“ ihre Rettung: Hier werden sie aufgefangen. Hier lernen sie, ein eigenständiges Leben zu führen – abseits von Kriminalität. Die Einrichtung im Nürnberger Westen ist oftmals ihre letzte Chance, um ihrem Leben tatsächlich eine Wendung zu geben. Damit dies gelingt, begleitet das multiprofessionelle Team um Einrichtungsleiterin Brigitte Rupp seine Klienten sehr engmaschig beim Übergang von der Justizvollzugsanstalt zurück in die Gesellschaft.
Umfassende sozialtherapeutische Begleitung
„Unser erstes Ziel ist es, Obdachlosigkeit und weitere Straftaten zu verhindern“, betont Rupp, die schon seit 38 Jahren in der Einrichtung arbeitet, sieben davon als Leitung. Leicht ist dieser Weg für viele Klienten nicht. Denn die Männer, die im „Wendepunkt“ einziehen, haben oftmals ein großes Päckchen zu tragen: Sie bringen psychische Belastungen oder Erkrankungen mit, Suchtproblematiken, Schulden und haben manchmal keinerlei soziale Bindungen. Auffallend ist, dass ihre Problemlagen immer komplexer werden.
Kern des Konzepts ist daher eine umfassende sozialtherapeutische Begleitung. Ein fester Tages- und Wochenablauf gibt Struktur und Orientierung im Alltag. Arbeitstherapie, Praktika und berufliche Qualifizierung bereiten die Männer auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vor. Ergänzend dazu stehen sozialpädagogische Einzelgespräche, Gruppentrainings sowie Unterstützung im Umgang mit Behörden und bei der Wohnungssuche im Fokus. Auch ganz lebenspraktische Fähigkeiten werden gezielt gefördert: von hauswirtschaftlichem Training bis zur Freizeitgestaltung.
„Jungs, ihr schafft das auch!“
Die Klienten leben ein oder mehrere Jahre im „Wendepunkt“, die Bezirke tragen die Kosten. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigen zahlreiche Erfolgsgeschichten. So wie die von Jürgen (Name geändert) zum Beispiel. Vier Jahre lang bewohnte er ein Zimmer im „Wendepunkt“. Mittlerweile lebt der 60-Jährige in seiner eigenen kleinen Wohnung. Doch der Kontakt zum „Wendepunkt“ ist geblieben. Jürgen richtet mit Klienten in der einrichtungseigenen Radwerkstatt gebrauchte Fahrräder her oder hilft im Hausdienst. Er weiß nur allzu gut, wie sich die Klienten fühlen: „Ich versuche ihnen zu vermitteln: Jungs, ihr schafft das auch!“
Auch nach fünf Jahrzehnten ist die Arbeit des „Wendepunkt“ unverzichtbar. „Der Wendepunkt zeigt, dass ein Neuanfang möglich ist, wenn Menschen die richtige Unterstützung bekommen. Davon profitieren nicht nur die Betroffenen, sondern die ganze Gesellschaft“, betont Björn Bracher, Bereichsleiter Hilfen in besonderen Lebenslagen, anlässlich des Jubiläums.
Hier geht es zum aktuellen Film der Medienwerkstatt über den "Wendepunkt"







