Hilfe im Leben

Stadtmission Nürnberg setzt auf Streetwork am Hauptbahnhof

NÜRNBERG. Der Nürnberger Hauptbahnhof macht regelmäßig Schlagzeilen. Wo täglich Tausende aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu Konflikten, zumal der Verkehrsknotenpunkt ein Magnet für Menschen in den unterschiedlichsten Notlagen ist. Genau hier setzt das Modellprojekt „Bahnhofsläufer*innen“ der Stadtmission Nürnberg e.V. an: Seit einem halben Jahr kümmern sich Streetworkerinnen um wohnungs- und obdachlose Menschen, die sich rund um den Bahnhof aufhalten. Die erste Zwischenbilanz? „Unser Angebot trifft genau den Kern und stößt auf großen Zuspruch“, sagt Kai Stähler, Vorstandsvorsitzender der Stadtmission Nürnberg.

Das Projekt „Bahnhofsläufer*innen“ ist auf Initiative der Stadtmission Nürnberg hin an den Start gegangen – mit dem Ziel, den besonderen Bedürfnissen wohnungs- und obdachloser Menschen gerecht zu werden. Die Stadtmission bietet hier bereits auf vielen Feldern Unterstützung: in der Ökumenischen Wärmestube, in der Bahnhofsmission oder durch Beratung in der Einrichtung „Hilfen für Menschen in Wohnungsnot“. Doch zuletzt machten Sozialarbeiter*innen die Beobachtung, dass manche Personen selbst von diesen niedrigschwelligen Angeboten nicht mehr erreicht werden und in einer dementsprechend schlechten psychischen und körperlichen Verfassung sind.

„Zusätzliche professionelle und aufsuchende Sozialarbeit ist deshalb unerlässlich“, betont Björn Bracher, Leiter des Bereichs „Hilfen in besonderen Lebenslagen“ der Stadtmission. Gemeinsam mit Andreas Bott, Leiter der „Hilfen für Menschen in Wohnungsnot“ bei der Stadtmission, hob er deshalb das Streetwork-Projekt „Bahnhofsläufer*innen“ aus der Taufe. Und das mit großer Unterstützung des Freistaats: Zwei Jahre lang fördert das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales das Modellprojekt im Rahmen des Aktionsplans „Hilfe bei Obdachlosigkeit“. Auch die Diakonie Bayern schießt Mittel zu. „Wir sind sehr dankbar, dass wir das gemeinsam und vor allem so zügig auf die Beine stellen konnten“, fährt Bracher fort. Auch mit der Stadt Nürnberg wurde das Konzept der „Bahnhofsläufer*innen“ eng abgestimmt.

„Der Bedarf ist hoch. Wir haben jedes Mal gut zu tun.“

Eine erste Zwischenbilanz zeigt, dass das Angebot sehr gut angenommen wird. „Der Bedarf ist hoch. Wir haben jedes Mal gut zu tun“, berichten die Streetworkerinnen Annika Zitzmann und Michelle Jaß, deren Arbeitsplatz der Hauptbahnhof, die umliegenden Plätze, Königstorpassage, Königsstraße oder der Stadtgraben ist. Innerhalb weniger Monate hatten sie rund 1250 Kontakte. Sie kümmern sich um die Grundbedürfnisse wohnungsloser Menschen: Schlafplatz, Essen und medizinische Versorgung. Sie helfen bei Behördengängen, vermitteln an Hilfseinrichtungen oder schlichten Konflikte.  

„Wir wollen die Menschen mit dem bestehenden Hilfesystem verknüpfen“, erläutert Einrichtungsleiter Bott. Immer mit dem Ziel, das Leben der wohnungs- und obdachlosen Menschen zu stabilisieren, die sichtbare Obdachlosigkeit zu reduzieren und die gegenseitige Akzeptanz in der Gesellschaft zu fördern. Denn nicht selten sind die Obdachlosen rund um den Hauptbahnhof Passantinnen und Passanten ein Dorn im Auge.

Finanzierung nur zwei Jahre gesichert: Appell an Stadt

Die Finanzierung der Streetwork-Stelle, die sich die beiden Streetworkerinnen teilen, ist im Rahmen des Modellprojekts zwei Jahre lang gesichert. Aus Sicht der Stadtmission Nürnberg wäre es dringend geboten, das Projekt, das sich bereits jetzt gut etabliert hat, danach weiterzuführen. „Unser Wunsch wäre es, dass die Finanzierung nach den ersten beiden Jahren von der Stadt übernommen wird“, sagt Bereichsleiter Bracher.

Vorstandsvorsitzender Kai Stähler teilt diesen Appell: „Die Stadt Nürnberg ist als Kommune originär zuständig für die Wohnungslosenhilfe. Wir als diakonischer Träger übernehmen Aufgaben im Auftrag der Stadt, brauchen dafür aber auch eine solide finanzielle Ausstattung.“

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