»Ich helfe von Herzen gerne«

Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden. Die Diakonie Erlangen bildet Ehrenamtliche zu Demenzbegleitern*innen aus.

Demenz ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit über 55 Millionen Menschen betroffen, und die Zahl wächst stetig. Die Erkrankung stellt nicht nur die Betroffenen vor große Herausforderungen, sondern auch ihre Familien, Pflegekräfte und die Gesellschaft insgesamt. In diesem Kontext gewinnt die ehrenamtliche Demenzbetreuung eine immer größere Bedeutung. Sie ergänzt professionelle Pflegeangebote, fördert die Lebensqualität der Betroffenen und stärkt das soziale Miteinander.

Es wird auch ­gemeinsam

gefeiert – wie hier beim Gartenfest.

Ehrenamtliche haben viel zu bieten

Professionelle Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste leisten bereits eine unverzichtbare Arbeit. Die Betreuung durch Ehrenamtliche kann zusätzliche Vorteile bieten: Sie können individuell auf die Bedürfnisse und Vorlieben der Betroffenen eingehen, was oft eine tiefere emotionale Verbindung ermöglicht. Familienmitglieder, die oft rund um die Uhr für ihre Liebsten sorgen, finden in Ehrenamtlichen wertvolle Unterstützung und eine Entlastung. Ehrenamtliche Aktivitäten helfen, soziale Isolation zu vermeiden und das Gefühl der Zugehörigkeit zu stärken. Ehrenamtliche Arbeit ist eine kostengünstige Ergänzung zu professionellen Angeboten.

Diese Vorteile sieht auch Karoline Kopp, Leiterin der Demenzbetreuung und Entlastungsangebote: »Für Angehörige ist eine Demenzerkrankung immer stark belastend. Jemanden tagtäglich zu betreuen, ist wirklich sehr zehrend. Diese Auszeit für Angehörige, diese zweieinhalb Stunden, das klingt nach nicht viel. Aber wenn man diese Zeit wirklich für sich nutzen kann, etwa um mal in aller Ruhe zum Friseur zu gehen oder eine gute Freundin zu besuchen und einfach nur mal im Wald zu spazieren – das ist für Angehörige eine wertvolle Auszeit. Und man hat dann auch wieder ein neues Gesprächsthema – ein positiver Nebeneffekt.«

Was ist ehrenamtliche Demenzbetreuung?

Ehrenamtliche Demenzbetreuung umfasst freiwillige Tätigkeiten, bei denen engagierte Laien, die eine Schulung absolviert haben, Menschen mit Demenz im Alltag unterstützen. Diese Unterstützung kann vielfältig sein: Begleitung bei Spaziergängen, Gespräche, gemein­sames Spielen, Unterstützung bei Aktivitäten oder einfach nur Gesellschaft leisten. Ziel ist es, den Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu ermöglichen, ihre Einsamkeit zu verringern und Lebensqualität zu steigern. Die Hilfe ist speziell auf die Bedürfnisse der Erkrankten zugeschnitten. In jedem Fall werden die Senioren*innen aktiv am Leben beteiligt, so Kopp. Das stärkt ihre Fähigkeiten.

Um das Angebot aufrechterhalten zu können, ist man bei der Diakonie Erlangen auf die Mithilfe engagierter Freiwilliger angewiesen. Die 75-jährige Inge Dannert beispielsweise ist seit mehr als drei Jahren sechs Stunden wöchentlich für demenziell erkrankte Menschen im Einsatz: »Ich kümmere ich mich um drei Seni­orinnen und Senioren. Einer Dame helfe ich in ihrem großen Garten. Einer meiner Senioren ist schwer an Demenz erkrankt und kann nicht mehr sprechen, liebt es aber, wenn ich ihm Lieder vorsinge. Dann bewegen sich seine Lippen mit und ich merke, dass die Musik bei ihm ankommt. Einem anderen lese ich zum Beispiel mal ein Gedicht vor und als leidenschaftliche Hobbybäckerin bringe ich gerne einen Kuchen mit. Wir trinken gemeinsam Kaffee und unternehmen Spaziergänge. Das motiviert auch die Senioren und sie sagen, dass die Zeit der gemeinsamen Nachmittage immer wie im Flug vergeht.«

 

Herausforderungen und Chancen

Neben der ambulanten Demenz­betreuung gibt es für Ehrenamtliche die Möglichkeit, bei den Treffen der Demenzgruppe mitzuhelfen, die jeden Dienstag zwischen 14:00 und 16:30 Uhr in einem Gruppenraum im ersten Stock des Maria-Busch-Hauses in Erlangen zusammenkommt.

Die Gruppenbetreuung arbeitet nach der MAKS-Methode. »Das heißt, es gibt einen kleinen Abschnitt, in dem die Motorik mit Gymnastikübungen oder Sitztänzen geübt wird. Ein Teil beschäftigt sich mit alltagspraktischen Dingen. Hier wird mit den Händen gestaltet oder gebastelt. Ein weiterer Bereich widmet sich sozialen und spirituellen Themen«, erklärt Kopp. »Wir leben ein soziales Miteinander, feiern gemeinsam Geburtstage und Feste im Jahresverlauf. Wir überlegen uns immer wieder interessante Themen, um darüber gemeinsam zu sprechen. Das ›K‹ in MAKS bedeutet kognitiv. Wir rätseln viel und spielen Gesellschaftsspiele, bei denen unsere Gäste gefordert, aber nicht überfordert sind. Wichtig ist, dass jeder das Gefühl bekommt, etwas beitragen zu können, was letztlich das Selbstwertgefühl steigert.«

Wiederkehrende »Rituale« wie der Sitzkreis, Bewegungsübungen und gemeinsames Kaffeetrinken geben den Gästen der Demenzbetreuung Struktur. Ebenso Ziel des Projekts sei, Einsamkeit und Isolation zu durchbrechen und damit Betroffenen und deren Angehörigen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

Sinnvolle und erfüllende Aufgabe

Demenz geht alle an. Aus diesem Grund bildet die Diakonie Erlangen ehrenamtliche Demenzbegleiter*­innen aus. Jede*r Interessierte kann dabei mehr über das Thema und den Umgang mit demenziell veränderten Menschen erfahren. Im Kurs geht es auch um Grundlagen zur Demenz, Geriatrie, Gerontologie, Aktivitäten für Betroffene und Biografiearbeit. 

Inge Dannert hatte nach 45 Jahren in der Patientenbetreuung der Onkologie in der Frauenklinik nach einer sinnvollen und erfüllenden Aufgabe für ihre Rentenzeit gesucht und sich zur Demenzbegleiterin ausbilden lassen: »Die Arbeit mit den Senioren macht mir viel Freude und sie spüren, dass ich meine Einsätze jeden Moment liebe. Ich brauche keine Geschenke – wenn meine Seniorinnen und Senioren strahlend sagen: ›Inge, wir freuen uns, wenn du wiederkommst‹ ist das für mich das größte Geschenk. Ich helfe von Herzen gerne und freue mich, wenn andere sich freuen.«

Text: Sabine Weißenborn

 

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