Mach’s einfach!

Seit November 2024 ist der Vorstand wieder komplett. Kai Stähler, Vorstandsvorsitzender, und Finanzvorständin Gertrud M. Barth bringen den Unternehmensverbund gemeinsam auf Kurs. Ein Gespräch über Ziele und Wünsche.

Sie ergänzen sich

sehr gut und profitieren voneinander: Kai Stähler, Vorstands­vorsitzender, und Vorständin Gertrud M. Barth.

Frau Barth, Sie haben bei Ihrem Start »Mach’s einfach!« als Motto ausgegeben. Hat dieser Leitspruch den Praxischeck bestanden?

Gertrud M. Barth: Ich kann das hier sehr gut umsetzen. Wir kommen im Moment mit pragmatischen Lösungen sehr weit. Wir brauchen diesen Ansatz, weil sich unser Unternehmensverbund in der Transformation befindet. Dabei ploppen ganz viele Themen auf. Das Schöne ist: Mein Motto stößt auf Zuspruch.

Und welcher Gedanke motiviert Sie, Herr Stähler?

Kai Stähler: Mich motiviert das Kernanliegen unserer Arbeit: Menschen eine Perspektive zu geben, Unterstützung zu bieten und echte Veränderung zu bewirken. Die Begegnungen mit Mitarbeitenden, Klienten*innen und Partnern*innen zeigen mir, dass unsere Arbeit Sinn hat – und dass selbst kleine Schritte große Wirkung entfalten können.

Stichwort Transformation: Unser Sozialverbund ist enorm im Wandel. Wie sehen die nächsten Etappen aus?

Barth: Wir müssen unser Portfolio beleuchten: Ist es zeitgemäß und entspricht es aktuellen Anforderungen – und zwar der unserer Klienten*innen und Mitarbeitenden? Wir müssen uns die Frage stellen, ob unsere Strukturen einem schlanken, übersichtlichen Dienstleistungsprozess dienen. Und wir müssen uns fragen, welche nicht kostendeckenden Angebote zu unserem diakonischen Kanon zählen. 

Stähler: Unser Verbund gibt uns Stabilität, doch der Wandel ist unvermeidlich – wir müssen ihn gestalten, statt ihm ­hinterherzulaufen. Wir wollen Angebote weiterentwickeln und kluge Investitionen in nachhaltige Strukturen tätigen. Wir werden den eingeschlagenen Weg der Digitalisierung vorantreiben: Es geht um effizientere und zukunfts­fähige Prozesse. Mit unserem Digitalisierungsmanager gehen wir das strukturiert an – das ist eine klare strategische Entscheidung. Zudem ist es essenziell, Partnerschaften auszubauen und kreative Finanzierungsmodelle zu entwickeln.

 

Wo sehen Sie das größte Potenzial für Innovationen in der sozialen Arbeit?

Barth: Eine große Herausforderung ist es, die Digitalisierung tatsächlich mit unserer Arbeit zu verbinden. Wir erhoffen uns dadurch eine Entlastung für Mitarbeitende. Genauso wie die Digitalisierung birgt das Thema Nachhaltigkeit eine Riesenchance.

Stähler: Die Zukunft des sozialen Bereichs liegt in der Verzahnung von traditionellen Hilfen und moderner Technologie. Entscheidend ist, dass die Innovation im Dienste der Menschen steht. Ich sehe auch in der Verwaltung viele Möglichkeiten, Prozesse zu digitalisieren. 

Der größte Schatz unseres Verbundes sind die Mitarbeitenden. Sie beide teilen die Leidenschaft für eine moderne und wertschätzende Unternehmenskultur. Was heißt das konkret für Sie – und vor allem für die Kolleginnen und Kollegen?

Barth: Mir ist es erst einmal ganz wichtig, die Teams vor Ort kennenzulernen und eine bessere Idee von ihrer Arbeit zu bekommen. Ich spüre einen guten Spirit. 

Stähler: Wir nehmen Mitarbeitende ernst. Wir wollen zuhören. Wir wollen Vielfalt leben und eine Atmosphäre schaffen, in der alle ihre Stärken einbringen können, in der man aber auch Fehler machen darf. Nur wenn sich Mitarbeitende sicher und unterstützt fühlen, können sie ihre wertvolle Arbeit mit Leidenschaft tun. Außerdem wollen wir transparent sein und mehr kommunizieren. Das gelingt uns noch nicht immer, aber wir arbeiten daran.

Und wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit im Vorstand beschreiben?

Stähler: Sie ist von größter Offen­heit und Transparenz gekennzeichnet. Bei unterschiedlichen Meinungen können wir sehr gut auf der Sachebene bleiben und uns gut austauschen, sodass wir am Ende zu guten Kompromissen kommen. Das ist eine zielführende Zusammenarbeit für das Unternehmen.

Barth: Wir ergänzen uns sehr gut und profitieren von der Kenntnis des anderen. 

Unser Verbund steht für Vielfalt, Offenheit und Solidarität mit Schwächeren. Wir stehen für Werte, die plötzlich verhandelbar geworden sind. Welche gesellschaftspolitische Verantwortung haben Stadtmission Nürnberg und Diakonie Erlangen?

Stähler: Wir spüren, dass die politi­schen und gesellschaftlichen Entwicklungen viele Mitarbeitende mit Sorge erfüllen. Unsere Verantwortung ist klar: Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der JEDER Mensch einen Platz hat – unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status. Wir setzen uns für Chancengleichheit ein, wollen ­öffentliche Debatten mitgestalten und Präsenz zeigen, wo soziale Gerechtigkeit bedroht ist.

Barth: Das entspricht auch unse­rem christlichen Menschenbild. 

Kann Diakonie bleiben, wie sie ist, oder muss sich das Verständnis von Diakonie in einer pluralistischen Gesellschaft, die den beiden Kirchen mehr und mehr den Rücken kehrt, ändern?

Stähler: Diakonie ist immer im Wandel. Wir müssen uns immer neu auf die Bedarfe der Menschen einstellen. Während Kirche zunehmend an Bedeutung und Einfluss verliert, ist das bei Diakonie ganz anders. Unser Auftrag bleibt bestehen und wird sogar immer wichtiger. 

Barth: Kirche definiert Diakonie gern als Hilfe für Arme, Obdachlose und Bedürftige. Wir haben aber ganz viele Angebote, die sich an alle Menschen richten – egal, welchen Hintergrund diese haben. Wir sprechen auch kirchenferne Gruppen an.

Diakonie erfüllt einen wichtigen Auftrag, der leider nicht immer gegenfinanziert ist. Wenn Sie bei Geldgebern, Stadtrat oder Bezirkstag zum Beispiel einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das – jenseits des Geldes?

Barth: Ich wünsche mir einen offenen Blick auf das, was in der Stadtgesellschaft gebraucht wird. Ich möchte über Inhalte reden und dann über Finanzierbarkeit.

Stähler: Mein größter Wunsch wäre ein noch stärkeres Bewusstsein dafür, dass soziale Arbeit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Soziale Arbeit sollte als essenzieller Bestandteil der Bezirks- und Stadtentwicklung betrachtet werden. Und jetzt muss ich doch zum Geld kommen: Ich wünsche mir, dass öffentliche Gelder zielgerichtet und nicht mit der Gießkanne verteilt werden, um eine auskömmliche und damit nachhaltige Finanzierung essenzieller Angebote zu gewährleisten. 

Interview: Sabine Stoll

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