»Ich fühle mich sehr wohl hier«

Die Stadtmission Nürnberg setzt bei der Gewinnung von qualifizierten Fachkräften für Kitas und Pflege auch auf internationales Recruiting: ­Sie konnte bereits vier Kandidatinnen aus Kenia für die Arbeit im Verbund begeistern. Nachdem sie ihr B2-Sprachzertifikat erworben hatten und alle organisatorischen Hürden überwunden waren, nahmen die Kenianer­innen in diesem Winter ihre Arbeit in den Kitas der Stadtmission in Röthenbach an der Pegnitz und Nürnberg auf. 

Verstärkung aus Kenia für unsere Kitas

Janeffer Irungu, Susan Kariuki und  Caroline Nderitu (v.l.)

Von Beginn an werden die neuen Mitarbeiterinnen intensiv von der Stabsstelle Personal­entwicklung begleitet. Sie unterstützt diese nicht nur bei ihrem Ankommen und ihrem Alltag in Deutschland, sondern auch bei ihrer fachlichen Weiterentwicklung. So soll der Start in der neuen Heimat und im neuen Arbeitsumfeld bestmöglich gelingen.

Auch im Bereich Pflege setzt die Stadtmission erfolgreich auf die ­Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden aus Kenia, ­Kamerun, Ruanda und Marokko. Angesichts des anhal­tenden Fachkräftemangels gewinnt dieser Weg zunehmend an Bedeutung. 

»Internationales Recruiting ist für uns kein kurzfristiger Lückenfüller, sondern neben der Personalgewinnung vor Ort, der Weiterbildung und Bindung von Mitarbeitenden ein Baustein einer nachhaltigen Personal­strategie – getragen von Beziehung, Verlässlichkeit und gegenseitigem Lernen«, sagt Dr. Daniela Lambrecht, Leiterin der Stabsstelle Personalentwicklung bei der Stadtmission Nürnberg.

Doch wie haben die neuen Kolleginnen aus Kenia ihre ersten Monate in Deutschland erlebt? Lesen Sie selbst!
 


 

Janeffer Irungu 

Kita Sonnenhügel in Röthenbach a. d. Pegnitz

Als ich in Deutschland angekommen bin, war es sehr kalt. Ich habe hier meinen ersten Winter erlebt. Aber die Menschen hier sind sehr warmherzig. Ich bin sehr nett in der Kita aufgenommen worden. Alle sind so hilfsbereit. Bis jetzt habe ich nichts Negatives erlebt. Mir gefallen die Deutschen jeden Tag mehr (lacht).

In Kenia habe ich als Lehrerin gearbeitet. Dort fangen die Kinder schon mit drei Jahren an, Schreiben und Lesen zu lernen. Auf die Möglichkeit, nach Deutschland zu gehen, hat mich eine Lehrerin an der Universität aufmerksam gemacht. Ich habe dann im Internet viel über Deutschland recherchiert, habe mich über die Kultur, die Landschaft und das Essen informiert. Dann habe ich mir gewünscht, hier zu leben.

Jetzt versuche ich, den Kindern in der Kita etwas über meine Kultur beizubringen. Sie sind immer neugierig. Neulich hat mich ein Kind in die Hand gebissen. Es dachte, dass ich eine große Schokolade wäre und meinte dann: Du schmeckst gar nicht gut! (lacht). Da haben wir dann gleich über verschiedene Hautfarben gesprochen.

Ich bin auch schon viel unterwegs gewesen und habe Berlin, Frankfurt, Ingolstadt und Fulda besucht. Ich möchte von hier aus auch andere Länder bereisen: Italien und Österreich. Ich wünsche mir, international Netzwerke aufzubauen.


 

Caroline Nderitu 

Kinderhaus Funkelstein in Röthenbach a. d. Pegnitz

Das Team hat mich ab dem ersten Tag sehr gut aufgenommen. Das bedeutet mir viel. Auch die Kinder sind sehr nett und wirklich süß. Sie sind neugierig, offen und hilfsbereit. Ich lerne auch viel Deutsch von ihnen. Die ersten Tage waren aber auch eine Umstellung, weil der Umgang in Kenia mit Kindern anders ist. Da geht es um Ziele und Unterricht und weniger ums Spielen. 

In den ersten Monaten habe ich meine Familie sehr vermisst. Aber mittlerweile habe ich Freunde und Freundinnen gefunden. Mit ihnen bin ich schon gereist – nach Tschechien oder Stuttgart. Wir gehen auch gerne ins Schwimmbad oder in die Sauna. Ich liebe die Sauna in Deutschland.

Ursprünglich war es mein Wunsch, in die Niederlande zu gehen, weil ich als Kind einmal eine Zeitschrift aus den Niederlanden gelesen hatte. Dann habe ich von der Möglichkeit erfahren, in Deutschland zu arbeiten. Jetzt bin ich Brot-Fan (lacht). Ich habe so viele verschiedene Sorten probiert!

Viele Dinge sind ganz anders als in Kenia. Es werden hier so viele Briefe und Mails geschrieben. Du musst jeden Tag schauen, ob du Post hast. 

In Kenia halten sich die Menschen auch nicht unbedingt an Fußgänger-Ampeln. Sie überqueren die Straßen einfach. Sie versuchen das sogar auf Autobahnen, was wirklich sehr gefährlich ist. Hier bleiben die Menschen sogar an den Ampeln stehen, wenn gar kein Auto kommt (lacht.)

Insgesamt fühle ich mich sehr wohl hier und glaube, dass ich hier lange leben kann. 


 

Susan Kariuki

Kita Matthias Claudius, Nürnberg
 

Ich bin seit Februar in Deutschland. Das war anfangs sehr schwierig für mich, weil es in Kenia keinen Winter gibt. Aber mein erster Tag im Kindergarten ist sehr gut gelaufen. Die Kinder sind sehr freundlich und die Eltern sehr höflich. Ich lerne dort jeden Tag etwas Neues. 

Ein Kind aus meiner Gruppe hat einen Vater, der aus Afrika kommt. Eines Tages erzählte das Kind von einem Brei, den sein Vater zu Hause gekocht hatte. Meine Kolleginnen konnten sich zunächst nichts darunter vorstellen. Ich habe aber sofort verstanden, worum es ging, weil wir in Kenia Uji (Haferbrei) sehr oft essen.

Deshalb habe ich beschlossen, den Brei für die Kinder und meine Kolleginnen zuzubereiten, damit wir ihn gemeinsam probieren können. Er hat allen sehr gut geschmeckt, besonders den Kindern. Seitdem ist es in meiner Gruppe zu einer schönen Tradition geworden: Etwa einmal pro Woche koche ich Uji für die Kinder. So kann ich ihnen auf eine schöne und leckere Weise ein Stück meiner kenianischen Kultur näherbringen.

In meiner Freizeit schwimme ich sehr gerne. Ich höre Podcasts und verbessere mein Deutsch. Ich spreche in Videocalls auch viel mit meiner Familie.

Ich habe einen Abschluss in frühkindlicher Erziehung und möchte gerne noch eine Weiterbildung machen.

Neulich hatte ich ein schönes Erlebnis im Kindergarten. Ein Kind hat zu mir gesagt: Susan, ich hab’ dich lieb! Das hat mich sehr gefreut.

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