Haltung trifft auf Herzblut

Wandern, Konzerte, Einkaufsfahrten oder Gedächtnistraining: Das Angebot für die Bewohner*innen im Pflegezentrum Hephata kann sich sehen lassen – und ist in dieser Fülle alles andere als selbstverständlich. Möglich macht das der engagierte Sozialdienst des Pflegezentrums der Stadtmission Nürnberg. 2025 wurde das Team um Sozialdienstleiterin Insa van Oterendorp mit dem »AktivierenPreis« ausgezeichnet.

Ein eingespieltes Team:

Andrew Scheffel leitet das Pflegezentrum Hephata. Insa van Oterendorp leitet den Sozialdienst der Einrichtung

Frau van Oterendorp, herzlichen Glückwunsch zum bundesweit ausgeschriebenen Preis des Alten­pflege-Magazins »Aktivieren«. Mit Blick auf Ihr Team urteilte die Jury: »Haltung trifft hier auf Herzblut.« Was macht diese Haltung aus?

Insa van Oterendorp: Wir stellen uns ganz in den Dienst der Bewohnerinnen und Bewohner und ihrer Angehörigen. Jede Person ist einzigartig und jedes Familiensystem ist es auch. Wir bewerten nicht, sondern tun alles, um herauszufinden, was die Menschen tatsächlich bewegt und was sie von uns brauchen. Unser oberstes Ziel ist das Wohlergehen unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, das Leben auch am Lebensabend lebenswert zu machen.

Sie haben Ihr Konzept mit »Ein starkes Betreuungsteam ist Gold wert!« überschrieben. Ihr Team ist kontinuierlich gewachsen. Wie ­machen Sie es stark?

Van Oterendorp: Ich bin seit der Eröffnung 2007 im Hephata. Die soziale Betreuung begann mit vier Mitarbeitenden, heute arbeiten mit mir 15 Personen im Team: je eine Sozialdienstfachkraft und zwei Betreuungsassistentinnen und -assistenten pro Wohnbereich. Je größer das Team, desto mehr Sicherheit brauchen wir durch gut funktionierende Strukturen. Unsere Haltung im Team ist: Gemeinsam können wir mehr erreichen als jeder Einzelne von uns. Mitdenken und neue Impulse sind willkommen. Wir verstehen uns als lernende Organisation und müssen uns kontinuierlich weiterentwickeln, um die Qualität zu halten. Dazu gehören auch eine gute Fehlerkultur und Transparenz.

 

Im Zentrum Ihrer Arbeit stehen die Bewohnerinnen und Bewohner. Das Pflegezentrum Hephata hat 149 vollstationäre Pflegeplätze. Zwei der fünf Wohnbereiche gehören Menschen mit Demenz und jungen Pflegebedürftigen. Wie stimmen Sie die Angebote des Sozialdienstes auf die ­Wünsche und Kompetenzen der ­Bewohnerinnen und Bewohner ab?

Van Oterendorp: Unsere ­Angebote orientieren sich an den Interessen und Bedürfnissen der Bewohner­innen und Bewohner sowie ihrer Angehörigen. Wir haben wohnbereichs­interne Angebote wie Gespräche, Wellness, Geh- und Stehübungen, Morgenrunden mit wechselnden Themen oder ­Kochen und Backen. Die jüngeren Pflege­bedürftigen mögen vor allem Angebote, die sich aus dem Alltag ergeben und als sinnstiftend erlebt werden. Sie machen zum Beispiel gern gemeinsam das Frühstücksbuffet. Auf- und Abbau fordern und fördern unsere jungen Bewohner­innen und Bewohner. Wir haben auch wohnbereichsübergreifende Angebote wie unsere Feste, Gedächtnistraining oder Konzerte. Und wir gehen raus: Wir machen zum Beispiel Ausflüge an den Brombachsee oder unternehmen Einkaufsfahrten.

Wenn der Sozialdienst Feste im Hephata ­organisiert,

feiern Bewohner*innen und Angehörige gerne mit

Eine so große Palette an Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden oder an Angeboten teil­zunehmen, ist alles andere als selbstverständlich in der stationären Alten­pflege. Das kommt ­bestimmt gut an, oder?

Van Oterendorp: Die wichtigsten Überprüfungsmöglichkeiten unseres Tuns sind die Rückmeldungen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihrer Angehörigen und ihr Interesse an den Angeboten. Bei unseren Festen nehmen über 80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sowie viele Angehörige teil, an Weihnachten sogar bis zu 100. Manche Angehörige Verstorbener besuchen weiterhin unsere Veranstaltungen oder bleiben dem Haus als sehr treue Ehrenamtliche erhalten. Es kommen immer wieder sehr schöne Rückmeldungen: »So viel, wie ihr macht, gibt es woanders nicht!« Eine andere Familie hat uns zum Beispiel geschrieben: »Es war ein wunderschöner Nachmittag. Es ist so viel Freude, Lachen und Glück zu uns zurückgekommen.« Das berührt schon sehr.

Interview: Sabine Stoll

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