In guter Nachbarschaft

Und wieder liegt kein einziger Spielstein mit einer Sieben vor Erika M. (Name geändert). Für die Seniorin läuft es heute nicht gut beim Zahlen­legespiel Rummikub. Die Laune lässt sie sich davon nicht verhageln, dafür ist die Gesellschaft im Nachbarschaftscafé des neu eröffneten Quartiersbüros der Diakonie in Erlangen-Bruck viel zu nett. 

Jeden Donnerstag von 13:30 bis 16:30 Uhr öffnet Sozialarbeiterin Susanne Lauer die Türen in der Daimlerstraße 44a für die Bürger*innen des Stadtteils. Sie serviert eine Tasse Kaffee oder Tee, bietet ein paar Kekse an. Und zeigt damit: »Niemand muss einsam zuhause sitzen.« Seit Oktober 2025 betreibt die Diakonie Erlangen gemeinsam mit dem BRK-Kreisverband Erlangen-Höchstadt und der Abteilung für Alters- und Generationenfragen der Stadt Erlangen das Quartiersbüro. Die Einrichtung unterstützt insbesondere ältere Menschen in ihrem Alltag und sagt mit zahlreichen Angeboten der Einsamkeit den Kampf an.

Ein Kampf, den Erika gerne annimmt. Die 90-Jährige kommt regelmäßig vorbei und schätzt den neuen Treffpunkt in Bruck: »Gerade wenn man viel alleine ist, tut die Unterhaltung hier einfach gut. Das ist eine schöne Abwechslung.« Zuhause fehle ihr oft die Ansprache. Ein Problem, das sie mit vielen älteren Menschen teilt. Susanne Lauer will das nicht akzeptieren: »Wir wollen langfristig ein gutes Leben in Bruck sichern«, nennt sie ein wichtiges Ziel des Quartiersbüros. Seit dem Start hat sie dafür bereits einige Programmpunkte etabliert. So führt sie beispielsweise mittwochs die »Brucker Waldläufer« an. Gemeinsam mit Quartiershund »Karlo« und einer Gruppe Senioren*innen spaziert die Projektleiterin ganz entspannt durch den Bannwald der Brucker Lache. Die Bewegung an der frischen Luft hält nicht nur fit, sondern bietet auch Gelegenheit, sich über die Nöte und Sorgen des Alltags auszutauschen. 

 

»Freiräume im Stadtteil selbst gestalten«

Kleinere Probleme verschwinden vielleicht schon beim Reden, bei größeren nutzt Lauer das Netzwerk der Diakonie sowie der Kooperationspartner: »Wir sind natürlich gut vernetzt, sodass wir unsere Gäste und Teilnehmenden bei Bedarf auch zu anderen Hilfseinrichtungen weitervermitteln können.« Entscheidend sei dabei, unkompliziert und unbürokratisch zu helfen sowie die Selbstständigkeit der Menschen im Stadtteil zu wahren.

Auch in den Aufbau eines nachbarschaftlichen Netzwerks investiert die Sozialarbeiterin viel Zeit. Sie sucht Ehrenamtliche, die die Menschen im Viertel in ihrem Alltag unterstützen, etwa beim Einkauf helfen, sie zu Arztterminen oder zu Veranstaltungen begleiten. Vielleicht kann auch die eine oder andere Reparatur direkt in der Nachbarschaft erledigt werden – somit verliert die streikende Spülmaschine schnell ihren Schrecken. »Außerdem wächst unser Kreis aus Freiwilligen, die ehrenamtlich Hilfe im Haushalt anbieten«, erklärt Lauer.
 
Auch für kreative Arbeit in Erwachsenen-Gruppen, die Freizeitgestaltung mit Kindern und Jugendlichen oder die Organisation von Aus­flügen ist das Quartiersbüro in Erlangen-Bruck die erste Anlaufstelle. »Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, Freiräume im Stadtteil selbst zu gestalten, und sind für alle Ideen offen«, versichert Lauer und appelliert, einfach mal vorbeizukommen. Nur für passende Spielsteine bei der nächsten Rummikub-Partie übernimmt sie keine Gewähr.

Text: Alexander Reindl

 

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