Wenn Familien Hilfe brauchen

Konflikte in der Beziehung, Mobbing oder Probleme in der Schule: Die Themen, mit denen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene an die Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung der Stadtmission wenden, sind vielfältig. Dass die Weltlage zunehmend krisenhaft erscheint, macht sich auch in der Beratungsstelle bemerkbar, die 2025 ihr 60-jähriges Jubiläum feierte.

Ihre Hilfe ist sehr gefragt: 

Ursula Eberle (li.) und Frieder Rumold mit Einrichtungsleiterin Elisabeth Rümenapf.

Das Team um Einrichtungsleiterin Elisabeth Rümenapf ­verzichtete auf eine große Jubiläumsfeier. Stattdessen feierte es beim Kinder- und Familienfest zum Welttag der Kinderrechte in Nürnberg – dort, wo es seine wichtigsten Zielgruppen trifft: Kinder und Familien.

Denn die Herausforderungen für Familien sind in den vergangenen Jahrzehnten mitnichten kleiner ­geworden. Konflikte, psychische Probleme und finanzielle Sorgen prägen den Alltag vieler Ratsuchender. Häufig sind dabei die Eltern selbst im Zentrum der Krise: »Bei den Hintergründen familiärer Belastungen stehen Partnerschafts­probleme, Trennung und Scheidung an erster Stelle«, sagt Rümenapf. 

Und so suchen Klienten*innen heute wie damals die Beratungsstelle auf, weil sie ihre Beziehung retten möchten, in Trennungskonflikten stecken oder einen Weg finden wollen, die Folgen einer Trennung für ihre Kinder möglichst gering zu halten.

Gleichzeitig sind ganz neue Problemlagen hinzugekommen. »In jeder zweiten Beratung geht es um die Bildschirmzeiten der Kinder«, sagt Psychologe Frieder Rumold. Viele Eltern seien besorgt, weil sie keinen Zugang mehr zu ihren Kindern fänden, die Stunden am Smartphone oder in sozialen Medien verbrächten. Auch die Folgen der Corona-Pandemie seien weiterhin spürbar: Soziale Ängste hätten zugenommen.

Auch Kriege und politische Krisen spiegeln sich in der Beratungsarbeit wider. »Ja, die Stimmung macht sich bemerkbar«, bestätigt Rümenapf. In Ängsten, Verunsicherung und sozialen Problemen, aber eben auch in existenziellen Nöten, weil sich die gestiegenen Lebenshaltungskosten unmittelbar auf den Geldbeutel auswirken.

Steigender Bedarf

1.650 Menschen haben allein im vergangenen Jahr in der Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung Unterstützung gesucht. Seit 1993 haben sich die Fallzahlen sogar verdoppelt. Das liegt am steigenden Bedarf, aber auch daran, dass die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, zum Glück gesunken ist. Es kommen auch immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund. Die Beratungsstelle kann auf Türkisch, Spanisch, Tschechisch und Englisch weiterhelfen oder mit Dolmetschern.

Die Angebote wurden über die Jahre kontinuierlich weiterent­wickelt und professionalisiert. Aktuell arbeiten Psychologen*innen, Psycho­therapeuten*innen, Familien­therapeuten*innen und (Sozial-)Päda­gogen*innen mit den Ratsuchenden. Patentlösungen gibt es nicht, stattdessen suchen die Fachkräfte mit den Ratsuchenden individuelle Lösungen und stärken deren Selbstwirksamkeit. »Auch Stabilität ist ein Erfolg«, sagt Sozialpädagogin Ursula Eberle.

Eberle ist seit vielen Jahren dabei. Sie hat wie ihre Kollegen*innen viele bewegende Fälle erlebt. Sie schildert den Fall eines Mädchens, das seine massive Essstörung in Zusammenarbeit mit Ärzten überwunden hat. Rumold erinnert sich an eine Jugendliche mit latenten ­Suizidgedanken, die im Laufe der Zeit ihre Lebensfreude zurückgewonnen hat. Und Elisabeth Rümenapf erzählt von getrennt lebenden Eltern, die nicht mehr in der Lage waren, auch nur ein Wort miteinander zu wechseln – und genau das wieder gelernt haben zum Wohl des gemeinsamen Kindes. 

Die Beratungen sind für Familien mit Kindern und Erwachsene bis 26 Jahre kostenlos. Mit der Erziehungsberatung erfüllt die Stadtmission eine kommunale Pflichtaufgabe. Die Refinanzierung ist jedoch nicht in vollem Umfang gewährleistet, von den steigenden Sachkosten ganz zu schweigen. Das sei ein Problem, sagt Rümenapf. »Hier würden wir uns Sicherheit wünschen.« Für die nächsten 60 Jahre.

Text: Sabine Stoll

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