Spendenaktion »Chancen für junge Menschen« startet: »Für alle, die schon da sind und alle, die kommen«

Familiäre Krisenerfahrungen prägen das Lebensgefühl vieler sozial und finanziell benachteiligter Kinder. Gesamtgesellschaftliche Einschläge wie die Corona-Pandemie oder die jüngsten Kriegsereignisse zehren zusätzlich an ihrer Substanz. Ihre jährliche Frühjahrs-Spendenaktion für benachteiligte junge Menschen stellt die Stadtmission deshalb unter das Motto »LebensWerte« und sammelt schwerpunktmäßig für die psychosoziale Arbeit mit Kindern

Ein halbes Jahr erst hatte Marie* die erste Klasse besucht, bevor die Corona-Pandemie ihren Grundschulalltag völlig auf den Kopf stellte. Endlos zogen sich ihre folgenden Monate zwischen Langeweile und Orientierungslosigkeit dahin. Marie saß mit ihren Eltern und zwei Brüdern in einer kleinen Wohnung einer Sozialimmobilie im Nürnberger Norden weitgehend fest. In der Spiel- und Lernstube Lobsinger der Stadtmission, die das Mädchen regelmäßig besuchte, erlebten die Pädagogen*innen Marie nach mehreren Lockdowns fast nur noch genervt und trotzig. »Wenn wir gemeinsam spielten und Marie verlor, sprudelte der Frust aus ihr raus. Oft beschimpfte sie dann die anderen«, erzählt Teamleiterin Leonie Lawen. Trotzdem erfuhr Marie in der Lobsinger viel Geduld statt Ablehnung. So wurde die Siebenjährige zunehmend empfänglich für die Botschaften der Einrichtung: »Andere Kinder sind nicht deine Blitzableiter. Behandle sie mit Respekt.« »Wenn du einfach danach fragst, bekommst du jederzeit Hilfe«. »Schau doch mal, wie kreativ du bist, statt dich immer nur über die schweren Matheaufgaben zu ärgern.« Noch ist es ein zartes Pflänzchen, doch man merkt: »Marie wird ausgeglichener – sie wächst an den Grundsätzen, die sie bei uns in der Lobsinger erlebt«, so Lawen.

Anders der siebenjährige Lian*: Er lebt mit seiner Mutter und zwei Halbschwestern zusammen – alle haben viel Gewalt durch den inzwischen ausgezogenen, alkoholkranken Vater erlebt. Allein in den letzten acht Monaten, ist Lian drei Mal umgezogen, seit Oktober 2021 geht der Junge regelmäßig in den Diana-Hort der Stadtmission. Anfangs unterbrach Lian noch laufend das Spiel oder Reden der anderen. Er wirkte impulsiv, unkonzentriert und seinen Altersgenossen gegenüber meist unbeteiligt oder gar rücksichtslos. Doch auch Lian lernte viel dazu: Im Diana-Hort erlebt er die Wahlen zum Gruppensprecher, hört das erste Mal von seinen Kinderrechten und übt im Kinderschutzprojekt, seine Grenzen und Bedürfnisse laut auszusprechen. Jedes persönliche Lob, das ihm die Erzieher*innen in sein Übungsheft schreiben, bringt ihn zum Strahlen, sodass er inzwischen auch mit viel mehr Ausdauer durch die Hausaufgabenzeit kommt.

Grundwerte stärken das Selbstbewusstsein

»Für die allermeisten Kinder und Jugendlichen, die wir betreuen, sind Werte wie Gewaltfreiheit, die Gleichwertigkeit aller Menschen - egal ob klein oder groß, Frau oder Mann keine Selbstverständlichkeit. Für viele ist das eine wichtige und oft auch neue Erfahrung, die sie bei uns machen. Und dass sie unabhängig von dem, was sie leisten, einfach gemocht werden und merken, dass sie wertvoll sind«, schildert Alexandra Frittrang von der Stadtmission Nürnberg. Die Einrichtungsteams aus dem Bereich »Chancen für junge Menschen« seien für Kinder sensibilisiert, die besonders häufig Diskriminierung, Gewalt und existenzielle Umbrüche erfahren. Zu lernen, was Menschenrechte, Selbstbestimmung oder demokratische Aushandlungsprozesse sind, sei für sie besonders wichtig, meint Frittrang. Außerdem, sagt sie, machen die Kids bei der Stadtmission die Erfahrung, dass sie »nicht irgendeine Minderheit«, sondern »tolle, einmalige Persönlichkeiten« seien. »Wir vermitteln das in der Erziehung, organisieren aber auch immer wieder besondere Angebote mit externen Fachleuten wie das Selbstbehauptungstraining oder einen Tanz-Workshop.«

Einfache, offene Zugänge – auch für geflüchtete Kinder

Entscheidend sei zudem, dass belastete Familien und Kinder OHNE bürokratische Hürden bei der Stadtmission spezielle Hilfe und Förderung finden, sagt Vorstandssprecher Matthias Ewelt und nimmt Bezug auf die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: »In den kommenden Wochen werden wir sicher auch immer mehr junge Menschen aus den Kriegsgebieten der Ukraine betreuen. Unsere Einrichtungen haben dafür das entsprechende Know-How, wir wissen mit der Sprachvielfalt und seelischen Belastung umzugehen.« Das habe sich in der Vergangenheit u.a. in der Arbeit mit syrischen Geflüchteten oder vielen aus den ehem. Sowjetstaaten zugewanderten Familien gezeigt.

Spenden ermöglichen Chancen für benachteiligte junge Menschen

Mindestens 1/5 der Chancen-Angebote für benachteiligte Kinder und Jugendliche finanziert die Stadtmission aus Spenden. Das sind derzeit etwa 200 000 EUR pro Jahr. Stadtmissions-Vorstand Matthias Ewelt setzt auch jetzt auf die Nürnberger*innen. »Helfen Sie uns die offenen Treffpunkte und Förderangebote für benachteiligte junge Menschen in Nürnberg abzusichern – für die Kinder, die hier leben und alle, die kommen.«

Spendenkonto:
Stadtmission Nürnberg e.V.
IBAN: DE71 5206 0410 1002 5075 01
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG
Stichwort: LebensWerte

 

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*Namen geändert

 

Hilfe im Leben – Stadtmission Nürnberg